Edgar Dahl - Gibt es Gott?


Edgar Dahl - Gibt es Gott?

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In schönster Kant'scher Manier schreibt Edgar Dahl ein knapp hundertseitiges Buch, das zu eigenen Nachdenken anregen soll, dazu, sich des eigenen Verstands zu bedienen - so auch der Sinnspruch am Anfang.
Denn: es wurde viel zu lange für den Menschen gedacht - blinder Glaube ohne Faktencheck galt als tugendhaft, Hinterfragen und Zweifeln als Sünde. Dies war vielleicht einmal eine taugliche Vorgehensweise, ungebildete Berserker zu befrieden. Heute aber geht es in die falsche Richtung, spielt Machtpersonen und Populisten in die Karten und schafft Begründungen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Traut ein Mensch sich indes, seinen Verstand zu nutzen, kommen ihm bald Zweifel. Ist der Glaube richtig? Welcher Gott ist wirklich der richtige? Welche Regeln und Geschichten sind die zutreffenden? Welche Wunder darf man glauben?
Wie kommt der Zweifelnde mit der Theodizee klar? Gibt es Gott überhaupt, und wenn ja, in welchem Universum?
Ist es nötig, schriftliche Regeln zu erhalten, um sich gut zu benehmen? Überhaupt: wer definiert, was gut ist? Ist Gott gut?
Was passiert, wenn blind geglaubt wird? Und darf man sich über den blinden Glauben anderer erheben, lustig machen - oder verdient er einen besonderen Respekt? Warum?
Edgar Dahl beantwortet diese Fragen nicht tiefgreifend, sondern überlässt dem Leser die eigenen Gedanken; wenn auch klar ist, dass das Ergebnis eher religionskritisch ausfallen wird denn als Anleitung zum tiefempfundenen, dogmatischen Glauben.
Abschließend ein Ausblick: kann eine Spiritualität bestehen, die unsere Menschheit weiterbringt - und die ohne Schwert agiert?
Eine besonderer Text schließt das Buch ab: Richard Dawkins' Brief an seine Tochter Juliet "Gute und schlechte Gründe etwas zu glauben" endlich erreichbar in deutscher Sprache. Der berühmte Text aus dem Jahr 2006 hat nichts an seiner Eindringlichkeit verloren, auf Fakten zu setzen und skeptisch zu bleiben.
Lesetipp. Nicht nur für Jugendliche, für die es wohl gedacht ist.
Ein Geschenktipp für jene, die unsicher sind und eine Hilfe suchen, sich ihrer religiösen Einstellung sicher zu werden.
 
Dieses Buch von Edgar Dahl, einem auf dem Feld der Religionskritik wohlbewanderten Autor, hat in der Tat gefehlt. Es gibt so manche (nicht zu viele) religionskritische Bücher, von persönlichen Bekenntnissen bis zur wissenschaftlichen Analyse, die sich aber alle nicht an die vielleicht wichtigste Zielgruppe für die kritische Betrachtung von Religion richten: Die Gruppe der Heranwachsenden, junge Menschen, die in eine Lebensphase des eigenen, kritischen Denkens eintreten und auch eine gewisse intellektuelle Anstrengung nicht scheuen.

Edgar Dahl behandelt kapitelweise die wichtigsten Argumentations- und Denkmuster des religionskritischen Denkens und steigert sehr geschickt die Darstellung von eingangs eher sachlogisch orientierten Überlegungen bis hin zum Verhältnis von Religion und Atheismus zur allgemeinen Ethik. Gerade in dieser sehr gut gewählten Abfolge, man könnte sagen Steigerung, liegt eine der großen Qualitäten des Buches.
Es verschweigt auch nicht, dass dem Menschen in Fragen seiner persönlichen Weltanschauung grundlegende Wertentscheidungen abverlangt werden. Das Buch lässt sich genau hierzu als Wegweiser und Anreger verstehen.

Ein weiteres sehr positives Merkmal des Buches ist der Tonfall, der der Zielgruppe einmal wirklich gerecht wird. Keine Anbiederei, keine Überheblichkeit. Ein ruhiger, die Argumentation eindringlich, aber nicht aufdringlich vortragender Textfluss zeigt, dass der Autor die Zielgruppe ernst nimmt und lässt keinen Zweifel daran, dass ihm die Botschaft wichtig ist. Selten liest man einen Argumentationsaufbau, der inhaltlich wie sprachlich den Leser so mitnimmt und ihn zur eigenen Reflexion anregt.

Bleibt die Frage – wie gelangt ein solches Buch an die angepeilte Zielgruppe? Zunächst einmal darf man getrost davon ausgehen, dass sich dieses Buch ganz überwiegend in Familien finden wird, die ohnehin einer rationalistischen Weltanschauung verpflichtet sind und diese auch an ihren Nachwuchs weitergeben wollen. Keine Frage, das hat auch hohen Wert, zumal das Buch -wie eingangs erwähnt- hier eine als schmerzlich empfundene Lücke füllt. Aber die richtigen Denkanstöße kann es ja eigentlich nur entfalten, wenn es dort verbreitet wird, wo es nottut. Dort, wo dem Heranwachsenden von seiner Umgebung normalerweise kein Anhalt dafür geboten wird, bei der Ausbildung einer persönlichen, verantwortlichen Weltanschauung die großen Argumente der Religionskritik kennenzulernen.

Ich habe das Problem im persönlichen Rahmen dadurch gelöst, dass ich beschlossen habe, bei einer anstehenden Konfirmation Edgar Dahls Buch als Präsent mitzubringen. Im katholischen Bereich wäre beispielsweise das Fest der Firmung geeignet. Zusammen mit dem Angebot an den jungen Menschen, für Gespräche dazu gern zur Verfügung zu stehen. Zur Nachahmung gern empfohlen.

PS Für künftige Auflagen wäre zu empfehlen, auf dem Buchtitel (es wird mit einem anderen als dem hier abgebildeten Cover ausgeliefert) die Zielgruppe deutlich zu adressieren.
 
 
»Ob der liebe Gott alles sieht? Ob der liebe Gott hilft, wenn ich viel bete?« So etwa wird manches Kind, mancher Jugendliche sich schon gefragt haben. »Wie sag‘ ich’s meinem Kind?« So wird mancher Vater, manche Mutter überlegt haben, als ihre Kinder sie mit Fragen dieser Art konfrontierten.

Im Vorwort sagt der Autor, dass sein Buch eine Anleitung zum Zweifel sein will. Er ruft seine jugendlichen Leser und Leserinnen dazu auf, nicht blind zu glauben, sondern den eigenen Verstand zu benutzen. Er will aber auch zeigen, dass die Überzeugung, dass es keinen Gott gibt, keineswegs so drastische Konsequenzen hat, wie gern behauptet wird. Auch in einer Welt ohne Gott ist das Leben lebenswert und gibt es Moral.

Dahl unterscheidet drei Arten von Gründen, die gegen Gott und einen religiösen Glauben sprechen. Er zählt Gründe auf, die auf der Ebene von einfachen Plausibilitätsüberlegungen liegen, also unmittelbar einleuchten. Er führt ferner moralische Argumente an, die gegen einen »allgütigen Gott« sprechen und Religionen anhand ihres Umgangs mit Un- und Andersgläubigen kritisch bewerten. Und er nennt Gründe, die aus wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen.

Er sät erste Zweifel, indem er gleich zu Beginn seine noch zur Schule gehenden Leser fragt, ob ihnen nicht schon aufgefallen ist, dass sich in ihrer Klasse Mitschüler befinden, die völlig unterschiedlichen Religionen angehören, und das offenbar nur deswegen, weil sie zufällig in verschiedenen Ländern geboren wurden. Auch die Gottesvorstellungen der jeweils anderen Religionen unterscheiden sich. Gleichzeitig sind aber die Anhänger der verschiedenen Religionen jeweils fest davon überzeugt, dass ihr Glaube der einzig wahre sei. Wer hat denn nun Recht, gibt er seinen Lesern zu bedenken, und könnte es nicht vielmehr so sein, so fragt er, dass alle Unrecht haben?

Ausführlich kommt der Autor auf das Leid zu sprechen, dass uns weltweit und überall begegnet. Das Thema führt auf die berühmte – bekanntlich nicht lösbare – Theodizee, deren Formulierung dem griechischen Philosophen Epikur zugeschrieben wird: Will Gott die Übel verhindern, aber kann es nicht? Dann ist er nicht allmächtig! Kann Gott die Übel verhindern, aber will es nicht? Dann ist er nicht allgütig! Kann er und will er die Übel verhindern? Warum gibt es sie dann? Der Autor illustriert die Problematik an eindrucksvollen Beispielen. Er richtet an den Leser die Frage, warum Gott nicht den Holocaust an den Juden verhindert habe, wo er doch »sein Volk« seinerzeit auch aus der Knechtschaft der Ägypter befreit hat. Bei allen Überlegungen bleibt der Leser von theologischem Jargon, wie er bei Diskussionen dieser Art gang und gäbe wäre, wohltuend verschont.

Sodann führt der Autor seinen Lesern die sog. Gottesbeweise vor, die eigentlich keine Beweise für die Existenz Gottes darstellen, eher als Argumente bezeichnet werden sollten. Ausführlicher wird der teleologische Gottesbeweis behandelt, der ja auch heute noch ein beliebtes Argument für die Annahme eines Gottes darstellt, der – so die Behauptung – planvoll vorging, um letztlich uns als Menschen im Universum auftreten zu lassen. Es überrascht nicht, dass diese »Beweise« sämtlich mit plausiblen und nachvollziehbaren Gründen als untauglich qualifiziert werden. Die Existenz eines höchsten Wesens kann eben nicht glaubhaft bewiesen werden.

Im nächsten Kapitel mutet der Autor seinen Lesern eine diffizile Frage zu, die einst schon Sokrates formulierte: Ist eine Handlung moralisch richtig, wenn sie von Gott gebilligt, und moralisch falsch, wenn sie von Gott missbilligt worden ist. Oder anders formuliert: Ist die Barmherzigkeit gut, weil Gott sie gutheißt, oder heißt Gott die Barmherzigkeit gut, weil sie gut ist. Oder noch anders in den Worten des Autors ausgedrückt: Wer sagt, dass die Barmherzigkeit nur gut sei, weil Gott sie zufällig für gut befunden habe, würde das Urteil darüber, was Gut und Böse ist, offensichtlich zu einer göttlichen Willkür machen. So müsste er beispielsweise zugeben, dass wenn Gott statt der Barmherzigkeit die Grausamkeit für gut befunden hätte, Grausamkeit gut und Barmherzigkeit schlecht wäre!

Diese letzten Zeilen zeigen, dass der Autor es sich nicht leicht macht, sondern seine jugend-lichen Leser an schwierigere Fragen heranführt und sie an deren schlüssiger Beantwortung teilhaben lässt. Anhand von Bibelzitaten wird vorgeführt, dass der »Gott der Liebe« Hand-lungen gutheißt, die nach unserem heutigen Moralempfinden strikt abzulehnen sind. Insofern macht der Autor deutlich, dass die Orientierung allein am Gott der Bibel in Widerspruch geraten kann zu unseren heutigen Vorstellungen von Gut und Böse. Dabei wird offenbar, dass die Kriterien, nach denen selbst Christen heute die Steinigung von Ehebrecherinnen, das Töten von Homosexuellen oder das Kaufen und Halten von Sklaven ablehnen, gerade nicht aus der Bibel stammen, obwohl diese Gebote bzw. Aufforderungen biblisch legitimiert sind. Unsere heutigen Kriterien sind ein Ergebnis der auf Vernunft gründenden Aufklärung.

Jesus predigt: »Selig sind, die nicht sehen und dennoch glauben!« Der Glaube wird also zu einer Tugend erklärt, der Zweifel zu einer Untugend. Der »ungläubige Thomas« wird verlacht, wer blind glaubt, ist würdig, von Jesus gerettet zu werden. Der blinde Glaube an das in der Bibel Geschriebene kostete jedoch Millionen Menschen das Leben. Man spricht daher zu Recht von der »Kriminalgeschichte des Christentums«. Die Gefahren des blinden Glaubens werden auch anhand unserer jüngsten Geschichte demonstriert und Parallelen zu den »Religionen« Faschismus und Kommunismus gezogen.

Das Buch endet mit einem überzeugenden Plädoyer für eine religionslose Gesellschaft. Dahl zitiert zum Schluss überraschenderweise einen britischen Theologen, für den an Gott zu glauben nicht bedeutet, an einen Richter zu glauben, der die Gläubigen mit dem Himmel belohnt und die Ungläubigen mit der Hölle. An Gott zu glauben bedeute vielmehr, so zu leben, als ob man unter dem Auge Gottes lebte und als ob man sich und die Welt vom Standpunkt der Ewigkeit aus bewerte. Dahl beschließt sein Buch mit einer bemerkenswerten Formulierung. Er schreibt: »In dieser Religion ohne Dogma ist Gott ein Symbol für alles, was gut ist. Er ist ein Ausdruck für Dankbarkeit, Barmherzigkeit und Vergebung – für Liebe, Vertrauen und Frieden.« Dahl stellt fest, dass sehr viele sog. Gläubige ohnehin kaum noch an Opfertod, Auferstehung, Himmel und Hölle glauben, der Kern ihres Glaubens besteht meist nur noch im Streben nach einem möglichst moralisch ausgerichteten Leben.

Der Text belegt, dass die Argumente gegen die Annahme eines höchsten Wesens jenseits aller theologischen Winkelzüge schon von einem Jugendlichen allein mit gesundem, nicht durch frühkindliche Verführung eingeengtem Menschenverstand nachvollzogen werden können. Anders als in vergleichbaren theologischen Büchern wird hier nicht mit vagen Begriffskonstruktionen hantiert, mit Bedeutung vortäuschenden Phrasen, mit Definitionen, die als Wahrheiten verkauft werden und vernebelnden Interpretationen. Theologie ver-klärt bekanntlich, sie er-klärt nicht. Die Sprache des vorliegenden Buches dagegen ist einfach und verständlich, die Argumentation schlüssig und nachvollziehbar. Edgar Dahl geht in seiner Argumentation sehr behutsam vor und vermeidet jede Polemik. Schon von daher wird dieses aufklärende Werk Anklang finden. Und obwohl eigentlich an die Adresse von jungen, erwachsen werdenden Menschen gerichtet, ist es gleichermaßen eine hilfreiche Lektüre für deren Eltern.

Dem Text von Edgar Dahl folgt ein instruktives Nachwort in Form eines Briefes von Richard Dawkins, dem bekannten Wissenschaftler und Religionskritiker, an seine 10-jährige Tochter.

Es handelt sich um ein Taschenbuch in schöner Ausstattung, mit optisch ansprechend gestalteten Seiten, gewürzt mit eingestreuten Aphorismen und kleinen Cartoons und – durchaus erwähnenswert – auf edlem Papier gedruckt. Kauf und Lektüre werden daher in jeder Hinsicht sehr empfohlen.
 
 
am 3. Februar 2017
 
Edgar Dahl hat mit diesem Buch einen tollen "Augenöffner" für hinterfragende Jugendliche publiziert. Zudem sind sehr ansprechende Illustrationen im Buch enthalten und einige tolle und auf dem Punkt bringende Zitate.
 
 
 
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